Medientmitteilung: Oli Second releast Album „Asphalt“

Littau, 08.09.2008

Dass Oli Second kein Blatt vor den Mund nimmt, hat er schon mehrfach unter Beweis gestellt, zuletzt als Mitglied des anarchistischen Rap-Kollektivs Direct Raption. Damit gibt er sich jedoch nicht länger zu Frieden, denn nur kein Blatt vor dem Mund zu haben, bedeutet noch nicht, sich auch ein zu mischen. Und genau dies will der Rapper nun tun. Sein erstes Solo-Release mit dem Titel Asphalt, richtet sich nicht nur inhaltlich explizit gegen die Privatisierung des öffentlichen Raums, auch alle Einnahmen kommen dem "Bündnis Luzern Für Alle - Wegweisung ist Willkür" zu Gute. Damit unterstützt der MC aktiv den Kampf für den Erhalt vonöffentlichem Raum sowie gegen Polizeiwillkür und Repression.

Gesellschaftskritische Texte jenseits der Popkultur

Der Rapper bleibt sich selber und seiner Crew dabei mehr als nur treu. Wie bereits auf dem Direct Raption Album, hört man jeder einzelnen Zeile an, dass sich hier ein Künstler nicht nur oberflächlich mit Gesellschaftskritik beschäftigt, sondern von Dingen erzählt, mit denen er sich tagtäglich auseinander setzt. „Mir ist es wichtig, nicht abgehoben oder belehrend zu klingen“, sagt er selber. Die Sprache die ich brauche, ist meine Sprache. Ich biedere mich bei niemandem an, in dem ich so tue, als ob ich zu dieser oder jener Gruppe gehöre“. Und doch ist Oli Second ein Aktivist, sowohl in der Hip Hop Szene, wie auch in der ausserparlamentarischen Linken. Seine bildhafte Sprache rücken Themen in den Vordergrund, von denen andere Protagonisten lieber die Finger lassen - sie sind zu wenig populär um sich damit auf dem Pop-Markt ein soziales Image zu kaufen. Gleichzeitig versteht es Oli Second aber auch, diese Themen so zu verpacken, dass sie ein breites Publikum ansprechen. Die von ihm geschaffenen Tracks sind Stimmungsbilder, die funktionieren. Unabhängig davon, ob der Zuhörer alle Ansichten des Künstlers teilt.

Die Politik des Typen von der Strasse

Hier wagt sich ein Rapper auf thematisches Neuland. Er erzählt von seiner Suche nach Heimat oder wird in einem anderen Stück zum Märchenerzähler: Er bricht in die Villa des Polizeipräsidenten ein, nicht um eine Spur der Zerstörung zu hinterlassen, sondern nur um ein paar Modell-Bau-Punks in seiner Märklin-Anlage zu platzieren. Subtile Militanz funktioniert halt manchmal besser. In anderen Stücken wird er wieder konkreter: Er bringt die Zwangsmassnahmen im Ausländergesetz, das Hooligangesetz und Wegweisungen in einen direkten Zusammenhang oder greift ganz direkt die SP für ihr Sicherheitspapier und ihren schleichenden Rechtsrutsch an. Dabei schreckt er nicht davor zurück, auch Namen zu nennen. Wo sich andere Rapper in szeneninternem Gedisse verlieren, greift Oli Second die SP-Politikerinnen Ursula Stämmer und Yvonne Schärli an, seiner Meinung nach zwei Hauptschuldige an der zunehmend repressiveren Sicherheitspolitik in Luzern und damit auch verantwortlich für den Skandal im Sonnenberg. Immer tut er dies aber auf eine Art und Weise, bei der man einfach zuhören muss. Dass man dies dabei auch noch gern tut, auch hätte man dem selben Rotzlöffel auf der Strasse in nicht mal zwei Sätzen erklärt, dass er ein Spinner sei und es mal mit Arbeit versuchen solle, ist sein Erfolgsrezept. Es erlaubt es Oli Second, offene Ohren in allen Ecken der Hip Hop Szene, und weit darüber hinaus, zu finden. Denn auch wenn seine Themenwahl gewisse Politverdrossene erst abschrecken mag: Wir sprechen hier von einer Rap-CD, nicht von einem Ratsbeschluss. Das Ganze ist auch ohne Studium in Politwissenschaften geniessbar, denn auch hier lebt diese Subkultur von und auf der Strasse weiter. „Was anfänglich nach Politik stinkt, stellt sich beim zweiten Blick als genau den Struggle heraus, mit dem wir alle täglich zu kämpfen haben. Und umgekehrt gilt das Selbe natürlich auch“, erläutert der MC.

Positiver Sound mit vielen Gästen

Überraschend kann dabei vielleicht sein, wie positiv diese Musik trotz den thematisierten Umständen daher kommt. Die Endzeit wird als lang ersehnter Neuanfang deklariert, die Tatsache, dass immer mehr unter die Räder des Staates kommen, deutet Oli Second kurzer Hand als Zeichen dafür, dass wir eben auch nicht alleine sind und uns gemeinsam auch wehren können. Auch musikalisch holt sich der MC Unterstützung von seinen Leuten: Gefeatured werden Mephisto (Direct Raption), Collie Herb (Riot Sound), Alpinilla und Chaoze One, die Cuts kommen von Django (Direct Raption, Riot Sound). Ein besonderer Gast ist auch der Schriftsteller Etrit Hasler, seines Zeichens Slampoetry Schweizermeister 2006. Er hat eigens für die CD Asphalt ein Intro geschrieben und aufgenommen, in welchem er die selben Themen wie Oli Second aufgreift und auf seine ganz eigene, geniale Art davon erzählt. Die Beats kommen von namhaften Underground-Grössen wie Dave Celaya aka Beatbull, One-A-Beatz (Zone13), Kanauratte (Tinnitus Music), Chaoze One und Grittibounce. Für jene, die es extra smoove mögen sind auch die Sängerinnen Tamara und Judith mit an Bord, gemischt hat das Ganze Max RubaDub (SoundMax Studio, Riot Sound).

In aller Eile was fettes gebacken

Auch wenn es Oli Second mit seinen Inhalten ernst ist – dies beweist nicht zuletzt auch der Verwendungszweck der Einnahmen – in erster Linie ist er Rapper, nicht Politiker. Weder sein Talent noch die Soundqualität der CD brauchen sich hinter einem karitativen Deckmäntelchen zu verstecken. Die 8 Tracks (plus Intro, Outro und ein Skit) entstanden an gerade mal zwei Wochenenden, was der CD wohl anzuhören ist, jedoch nicht störend auffällt. „Dies ist eine durchs Band weg ehrliche CD“, beschreibt der Rapper den Silberling selber. „Sie zeigt, was ich derzeit raptechnisch draufhabe, schummelt nichts dazu und versucht nicht nach Pop zu klingen. Sondern nur nach mir“. Wer bereits das Schaffen von Direct Raption kennt, wird über die technische Weiterentwicklung der Protagonisten erfreut sein. Und auf jeden Fall machen die Stücke Appetit auf mehr, denn solche Veröffentlichungen gibt es in der Schweiz leider noch zu selten.

08.09.2008